Benjamin Sperl

Laufen aus Leidenschaft – Mit Benjamin Sperl geht´s rauf und runter.

Abseits des Asphalts – dort ist Benjamin am liebsten unterwegs. Der Referendar für Sport und Politik, der bis vor kurzem noch an der Uni Kassel studiert hat, ist nämlich nicht einfach nur ein begeisterter Läufer, sondern ein sehr erfolgreicher und abenteuerlustiger Trailrunner.

In der freien Natur und auf den Gipfeln der Welt, fühlt sich Benjamin am wohlsten und konnte nicht nur in diesem Jahr bereits einige sportliche Erfolge feiern, wie zum Beispiel den 1. Platz beim BIMA Ultra Trail und den 3. Platz beim Gore-Tex Transalpine Run.

Wie der Lehrer zum Trailrunning gekommen ist und was ihn immer wieder zu Höchstleistungen motiviert, hat er S-INSIDER Campus in einem Interview verraten.

S-INSIDER Campus: Du hast nach einem Studienortwechsel an der Uni Kassel Sport und Politik studiert und dein Studium erfolgreich abgeschlossen. War deine Leidenschaft zum Sport somit schon immer vorhanden und wie ließ sich das manchmal mit einem stressigen Unialltag vereinbaren?

Benjamin: Sport verfolgt mich schon mein ganzes Leben, bzw. verfolge ich ihn. Schon als Kleinkind wurde ich von meinen Eltern an unterschiedliche Sportarten herangeführt. So habe ich auch während des Studiums so viel Sport wie möglich gemacht und immer daran Spaß gefunden.
Training gehörte also auch neben der Uni zu meinem täglichen Leben, wenn auch der Alltag als Student etwas lockerer und spontaner war, als heute. Zum Glück ist mir die Lust am Laufen nie verloren gegangen und auch von Verletzungen blieb ich verschont.
Vor allem durch das Studium habe ich tiefe Einblicke in trainingswissensschaftliche Erkenntnisse erhalten, und meine Examensarbeit beschäftigt sich mit der Motivation beim Laufen.
In der Uni habe ich außerdem einen Trail-Kurs ins Leben gerufen, der sowohl Anfänger als auch Ultraläufer angezogen hat. Momentan pausiert der Kurs, wird aber im kommenden Jahr (2016) wieder fortgesetzt.

S-INSIDER Campus: Was hat dich so am Trailrunning fasziniert und was ist der Unterschied zu anderen Laufformen?

Benjamin: Der Weg zum Trailrunning war nicht so lang, wie die Neuerfindung des Begriffs. Als Trail bezeichnet man einen schmalen Pfad quer durch die Natur.
Als Schüler nahm ich bereits erfolgreich an Wettkämpfen im Alpin-Ski teil und stieg, vor allem im Sommer, auf das Mountainbike um. Als ich einem Bike-Verein beitrat, gingen wir im Winter beim Training joggen, das hat mir dann so gut gefallen, weil es so einfach war und man keine extreme Technik braucht, dass ich in einen Leichtathletik-Verein wechselte. Dabei entdeckte ich dann das Laufen als Lieblingsdisziplin und habe dort bis zum Studium weiter trainiert.
Nach dem Training behielt ich einfach meine Laufschuhe an und bin noch eine Runde in meiner Heimat, dem Thüringer Wald, gelaufen. Die Liebe zur Natur ist schon immer ein tiefsitzender Wert in mir. Somit bin ich also schon vor 10 Jahren Trails gelaufen, damals hat es nur noch keiner so genannt.

S-INSIDER Campus: Wie man auf deinem Instagram-Account sehen kann, bist du weltweit sehr viel unterwegs und permanent im Training, wie hältst du dich dabei fit und woher nimmst du deine Motivation?

Benjamin: Laufen ist ein wichtiger Teil von mir, aber auch ich habe Tage, an denen mir die Motivation fehlt. Gerade in den letzten Jahren habe ich gelernt, dass es wichtig ist, auch Pausen zu machen. Wenn man aufmerksam ist, signalisiert einem der Körper, wann er etwas Ruhe braucht.
Die gemeinsame Zeit mit meiner Freundin und Familie und deren Unterstützung ist zusätzlich ein sehr wichtiger Ausgleich und Ansporn für mich. Fotografie ist meine zweite Leidenschaft und lenkt mich ab, wenn ich mal nicht laufen kann.
Hauptsächlich schöpfe ich meine Motivation aber aus meinen bisherigen Erfolgen und beim Laufen selbst ist mir gute Musik sehr wichtig. Wenn Musik läuft, hört man seinen eigenen Atem nicht so und man vergisst die Anstrengung nahezu.

S-INSIDER Campus: Was war in den letzten Jahren deine größte sportliche Herausforderung, und welche Auszeichnung hat dir persönlich besonders viel bedeutet?

Benjamin: Die größte Herausforderung und gleichzeitig der bedeutendste Lauf war der diesjährige Gore-Tex Transalpine Run. Ich bin noch nie zuvor in einer Woche mehr als 160km gelaufen und hier kamen in 8 Tagen gleich 268km auf mich zu. Zumal es sich hier um sehr anspruchsvolle Trails mit unglaublichen 16.000 Höhenmetern handelte.
Die Herausforderung lag darin, diesen Lauf überhaupt in Angriff zu nehmen und gesund zu beenden. Nie hätten mein Teampartner und ich gedacht, dass wir so erfolgreich sein könnten. Wir sind das beste deutsche Team  geworden und auf Gesamtrang 3 am Ende der 8 Tage gelandet. Das war unvorstellbar emotional. Jeder hat mit uns mitgefiebert, unsere Freundinnen haben uns sogar überrascht und sich 7 Stunden lang ins Auto gesetzt, um uns auf den letzten 3 Etappen zu begleiten.

S-INSIDER Campus: Was sind deine Ziele für die nächste Zeit?

Benjamin: In den nächsten Wochen steht für mich erst einmal meine Ausbildung im Vordergrund.
Trotzdem halte ich aber Ausschau nach Zielen, denn ohne Ziele ist das Laufen nur Mittel zum Zweck.
Ich werde in diesem Jahr noch den ein oder anderen lokalen Lauf absolvieren, evtl. auch beim Twistesee Marathon am Start sein. Im nächsten Jahr ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, bei der Trailrunning WM dabei zu sein, und im Frühjahr ist hier in der Nähe beim Bilstein Ultramarathon die Deutsche Meisterschaft im Ultra Trail. Ich bin mir aber jetzt schon ziemlich sicher, dass es dabei allein nicht bleiben wird.
Wettkampftechnisch peile ich immer erst mal realistische Ziele an, die manchmal sehr klein erscheinen. Aber irgendwann möchte ich gerne einmal das Himalayagebirge zusammen mit meiner Freundin erleben.

S-INSIDER Campus: Gibt es sonst noch einen Ort, an dem du unbedingt irgendwann einmal laufen möchtest?

Benjamin: Es gibt noch zwei weitere Orte, die ich gerne einmal erleben möchte. Das sind einmal der Grand Canyon und Norwegen in der Zeit des Polarlichtes. Norwegen könnte im kommenden Jahr für mich sogar in Erfüllung gehen.

S-INSIDER Campus: Kannst du auch in Kassel Orte empfehlen, die sich für ein Trailrunning Erlebnis eignen?

Benjamin: In Kassel sind der Bergpark, der Habichtswald und die Dönche perfekt zum Trailrunning.
Wenn ich eine Strecke empfehlen müsste, wäre es vielleicht kein Trailrunning mehr. Das hat etwas mit Kreativität zu tun. Ich würde eher den Tipp geben, sich abseits normaler Wege mal umzuschauen, einfach mal drauf los zulaufen und zu schauen, wo man rauskommt. Der Herkules liegt zum Glück so Stadt nah und ragt so hoch hinaus, dass Verlaufen kaum eine Option ist, auch wenn das oft die schönsten Läufe sind.

S-INSIDER Campus: Welche Tipps kannst du jemandem mitgeben, der mit dem Trailrunning anfangen oder es einfach mal ausprobieren möchte?

Benjamin: Ich habe festgestellt, dass das, was oft unter Trailrunning verstanden wird, für Laufeinsteiger zu anspruchsvoll und demotivierend sein kann. An- und Abstiege, ständig wechselnder Untergrund kann die Kraft, Ausdauer und Koordination ganz schön beanspruchen.
Trotzdem ist es möglich. Als Tipp: Legt euch eure Lieblingsmusik ins Ohr, nutzt die Sonne und sucht euch einen Ort, den ihr kennt, lauft ihn aber mal komplett anders und querfeldein an. Und wenn es regnet, sich mal so richtig dreckig machen, kann sehr spaßig sein.
Achtet aber beim Laufen immer auf die für euch richtigen Schuhe. Es gibt welche mit viel Profil für schlammige Strecken. Ihr könnt aber mit euren normalen Laufschuhen bei trockenen Verhältnissen fast überall laufen.
Denkt daran, dass ihr unter Umständen länger unterwegs seid, weil ihr einen neuen Pfad ausprobiert und trinkt deshalb vorher viel, ggf. nehmt ihr euch was mit. Ansonsten lautet mein Motto: Je schmaler der Trail, desto mehr Spaß!

S-INSIDER Campus: Vielen Dank, Benjamin. Wir wünschen dir nach wie vor viele sportliche Erfolge und allen interessierten Studierenden viel Freude an deinem Kursangebot.

(RLV)