Raum für urbane Experimente

Interdisziplinär kreativ im Untergrund

Ist öffentlicher städtischer Raum wirklich noch von der Öffentlichkeit geprägt? Können wir unsere urbane Umwelt gestalten und kreativ verändern, ohne dass Funktionalität und Kommerz im Vordergrund stehen?

Yes, we can.

Dank der Initiative "Raum für urbane Experimente" wandelt sich das Bewusstsein der Menschen für ihre direkte Stadtumgebung. Urbaner Raum wird Kommunikationsraum: eine Plattform zum Austausch zwischen Generationen und Gesellschaftsschichten, die zudem auch noch aktiv an der Neugestaltung mitwirken können.

Der offene Prozess mit Beiträgen der Teilnehmer, Partner und der Öffentlichkeit schafft einen komplexen Ideenpool, aus dem vielgestaltige Aktionen hervorgehen.

Doch wer steht hinter der Initiative "Raum für urbane Experimente"?

Das Projekt besteht aus einem interdisziplinären Team aus angehenden Stadtplanern, Architekten und Produktdesignern. Seit September 2012 arbeiten sie an einem Konzept, um öffentliche Stadträume kulturell aufzuwerten.

Ziel der Gruppe um Sofie Arnold, Kilian Blum, Marcel de Medeiros, Osman Petersen, Tanja Simonovic und Björn Wolf ist es, Orte als Teil der Stadt zu aktivieren und Erlebnisräume daraus zu erschaffen. Dadurch bekommen wir, die Bürger, eine Möglichkeit, diese Orte neu wahrzunehmen und ihr Potential jenseits aller Mobilitätsbedürfnisse zu entdecken.

Um welche Aktionsräume handelt es sich und wie werden sie bespielt?

In der Wiederaufbauphase von Nachkriegsdeutschland ist ein Straßenverkehrsnetz entstanden, dessen breite Verkehrswege ungehinderten Verkehrsfluss ermöglichen sollten. Später sind an zahlreichen Verkehrsknoten durch modernen Mobilitätsanspruch Fußgängerunterführungen entstanden.

Diese Tunnel sind heute weitgehend ungenutzt, bieten jedoch spannende Flächen zum Bespielen und Gestalten. So zum Beispiel die Unterführungen am Weinberg und am Holländischen Platz.

Einige Aktionen haben bereits stattgefunden. Junge Künstler und Kinder haben vor Kurzem dem Weinberg-Tunnel ein neues farbenfrohes Gesicht durch Graffiti gegeben.

Zudem gab es dort sehr gut besuchte Rap- und HipHop- Konzerte während des Südstadtgaleriefestes. Für den Sommer sind weitere Veranstaltungen wie Theater-Aufführungen oder auch Poetry-Slam-Vorträge geplant.

Auch die Unterführung am Holländischen Platz hat schon als urbane Erlebnisbühne begeistert. Zahlreiche kreative Köpfe gestalteten die Wände des bisher langweilig gefliesten Tunnels kunstvoll um. Außerdem fand am 7.Mai ein Rock Konzert der Band Testos'te'roll statt. Hier sollen ebenfalls in naher Zukunft weitere spannende Events stattfinden, die nicht nur für Studenten attraktiv sind.

Bis September 2013 werden die ungenutzten Räume in unterschiedlicher Weise bespielt und so einen sich immer wieder verändernden Charakter erhalten.

Das Projekt "Raum für urbane Experimente" gibt einen Denkanstoß für bewusstes Umgehen mit städtischen Raum. Unsere Umwelt muss nicht einfach nur funktionieren, sondern auch zum Erleben, Sehen und Verweilen einladen. Ein leerer Raum wird lebendig und zum kulturellen Spielplatz umfunktioniert.

Urbane Experimente - ein junges modernes Bewusstsein, das ein multikulturelles Zusammenleben im ständigen Austausch prägt.

(J.B.)