Kasselcollection

Produktdesign an der Kunsthochschule Kassel

Kasselcollection ist eine Sammlung beispielhafter Arbeiten aus dem Studienschwerpunkt Möbeldesign und Ausstellungsarchitektur der Kunsthochschule Kassel. Diese Schwerpunktsetzung können Studenten innerhalb des Studiengangs Produktdesign auswählen.

Der Fokus der Designlehre liegt u.a. auf der Ausbildung von Selbstständigkeit und Kompetenz beim Entwerfen und Arbeiten, um komplexe Designprobleme professionell lösen zu können.

Die Sammlung kasselcollection entstand unter dem Einfluss der Lehre von Prof. Jakob Gebert und seinem Assistenten Steffen Kehrle, die sich durch das Interesse am Entstehen des Dritten auszeichnet: Nicht das, was der Student oder Dozent will und beabsichtigt, sondern etwas sich im Prozess entwickelndes Drittes soll entstehen.

Kasselcollection präsentiert Möbel- und Produktentwürfe von jungen Designstudenten und soll dauerhaft in der Kunsthochschule Kassel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. S-INSIDER hilft hierbei durch ein Sponsoring.

Bei Kaffee und Saft treffe ich zusammen mit Fotografin Maria in der Kunsthochschule Kassel einen der teilnehmenden Designstudenten von kasselcollection: Tim Mackerodt.

Tim Mackerodt hat seine FALT.serie in einem neu entwickelten Verfahren zur Faltung von Beton hergestellt. Der FALT.hocker und die FALT.leuchte zeigen Formen und Oberflächen, die im Betonguss nicht umsetzbar sind.

Hallo Tim, wie schaut's aus?

Ich bin ein bisschen in Eile, weil ich übermorgen zur "blickfang Messe" nach Hamburg fahre und meinen Messestand noch fertig bauen muss. Aber ansonsten geht's mir gut.

Du selbst hast bereits im Frühjahr 2011 auf der Mailänder Möbelmesse im Rahmen von kasselcollection ausgestellt. Wie hat es dir gefallen und wie wichtig sind solche Veranstaltungen für angehende Möbeldesigner?

Die Mailänder Möbelmesse war fantastisch! Sie ist Teil der Mailänder Design Week, die sich über die gesamte Stadt ausstreckt. So gibt es z.B. zahlreiche Showrooms von verschiedenen Herstellern. Wir haben zusammen mit internationalen Hochschulen in einer Halle im Stadtteil Lambrate ausgestellt.

Das Geschäft im Möbeldesign ist hart. Bloß weil dir jemand eine Visitenkarte in die Hand drückt, hast du es noch lange nicht geschafft. Man muss sich selbst kümmern und viel Eigeninitiative zeigen, nur dann hat man eine Chance.

Wie ist denn überhaupt die Idee zu kasselcollection entstanden, und war von Anfang an eine dauerhafte Sammlung und Ausstellung geplant?

Kasselcollection beinhaltet zwei Wirkrichtungen: zum Einen die Wirkung nach innen, d.h. kasselcollection dient der Sammlung von Kunstwerken, um eine Art Archiv zu schaffen. Aus diesem Archiv kann man immer wieder Einzelnes herausgreifen und hervorheben, Beispiele zeigen und neue Ideen schöpfen. Damit wird besonders die Lehre an der Kunsthochschule Kassel unterstützt.

Zum Anderen gibt es eine Wirkung nach außen: eine Aufwertung der Kunsthochschule mit dem Standort Kassel soll erfolgen, um gut ausgebildete Bewerber anzulocken, denn die Kunsthochschule Kassel legt Wert auf Qualität, nicht auf die Menge der Bewerber. Außerdem könnte Kassel somit auch für Studienbewerber aus dem Ausland interessanter werden.

Letztlich dient kasselcollection natürlich auch den Teilnehmern selbst. So hat z.B. Hanna Krüger die Ausstellung als Sprungbrett für eine weiterführende Karriere genutzt.

Gibt es derzeit ausreichend Bewerber für den Studiengang Produktdesign?

Man reicht keine Art von Bewerbung ein, wie es bei anderen Studiengängen der Universität Kassel üblich ist, obwohl die Kunsthochschule Kassel zur Uni Kassel gehört. Anhand einer zweitägigen Eignungsprüfung wird abgeklopft, ob ein Bewerber passende Fähigkeiten für diese Ausbildung mitbringt.

Studieninteressierte können sich unabhängig von Schulabschluss und Noten per Formular zu diesem Termin anmelden. Bei der Aufnahmeprüfung selbst wird besonders auf das individuelle Profil der Bewerber geachtet. Insgesamt kommen ca. 150 Bewerber auf 30 Plätze.

Sind die Arbeiten von kasselcollection innerhalb einer Klasse entstanden oder stellten sie ein Sammelsurium der besten Arbeiten des Studiengangs Produktdesign dar?

Kasselcollection zeigt die besten Arbeiten des Studiengangschwerpunktes Möbeldesign, basierend auf der Auswahl von Prof. Gebert und seinem Assistenten Steffen Kehrle. Der Studiengang zeichnet sich vor allem durch projektbasiertes Arbeiten aus. Das bedeutet, dass Lerninhalte in Entwurfprojekten zielorientiert vermittelt werden und das Kompetenzprofil der Studierenden geschärft wird.

Abgesehen von Möbeldesign und Ausstellungsarchitektur, gibt es noch weitere Schwerpunkte, die man in diesem Studiengang auswählen kann?

Ja, es gibt außerdem die Schwerpunkte Industriedesign, das Designen textiler Produkte und Systemdesign. Was allerdings alle Schwerpunkte gemeinsam haben, ist die Konzentration auf das Entwerfen und die praktische Tätigkeit.

Ab wann können sich Besucher kasselcollection anschauen?

Zur Zeit ist kasselcollection noch eine Wanderausstellung. Der Termin für eine dauerhafte Ausstellung in Kassel ist derzeit noch unklar, soweit ich weiß.

Das Konzept von kasselcollection ist das Interesse am Entstehen des Dritten. Was bedeutet dies für das Arbeiten der Designer?

Das bedeutet, dass ein prozessgestütztes Entwerfen und die kreative Gestaltung im Vordergrund stehen. Man hat weniger Vorgaben, aber dafür viel Unterstützung seitens des Professors. Besonders wichtig ist hierbei ein regelmäßiges Treffen in kleiner Gruppe und der direkte Kontakt zum Professor und Assistenten. Anders als in Hörsälen mit hunderten Leuten.

Durch diese Form des Austausches entsteht ein guter Nährboden zum Entwickeln eigener Präferenzen, Haltung und dem Erforschen spannender alltäglicher Notwendigkeiten.

Wie lange hat denn der Prozess von deinem ersten Entwurf bis zum fertigen Objekt FALT.leuchte gedauert?

Etwas mehr als ein halbes Jahr.

Wie bist du auf das Material (faserverstärkter Beton) und die Herstellerfirma gekommen?

Ich habe eine Vortragsreihe des Hessischen Wirtschaftsministeriums zur Materialforschung besucht. Dort hat der Experte für neue Materialien, Dr. Sascha Peters, den neuartigen Beton vorgestellt. Das Besondere ist, dass die Herstellerfirma G.tecz den Spezialbeton auf meine Bedürfnisse für die FALT.produkte einstellen konnte. Der Abschlussvortrag fand in Frankfurt im Rahmen der Messe und Konferenz Material Vision statt. Dort durfte ich meine FALT.produkte vorstellen.

Warst du an der Entwicklung des neuen Verfahrens zur Faltung von Beton beteiligt?

Nein, aber ich habe ein Schalungsverfahren entwickelt, das Flexibilität der Schalungen garantiert. Der Beton bleibt nicht an den Schalungen kleben und jene sind außerdem mehrfach benutzbar.

Aus welchem Material bestehen diese flexiblen Schalungen?

Das bleibt geheim.

Worauf legst du besonderen Wert bei deinen Produkten?

Ich achte darauf, dass die Produkte günstig herzustellen und leicht reproduzierbar sind.

Ich möchte unbedingt eine FALT.leuchte kaufen. Fertigst du überhaupt einfach so auf Anfrage an und wie viel zahle ich am Ende für die Designerlampe?

Ja, ich fertige auf Anfrage an. Eine Lampe kostet zwischen 500 und 1000 Euro. Ich hoffe, dass ich auf der "blickfang Messe" noch ein paar Lampen verkaufen kann.

Hast du eine FALT.leuchte bei dir zu Hause hängen?

Nein.

Was sind deine konkreten Pläne für die nächste Zeit, gibt es ein besonderes Ziel?

In Kürze beginne ich mit meinem Diplom und hoffe, dass ich damit in einem Jahr fertig bin, pünktlich zu meinem 30. Geburtstag (lacht, Tim hat bereits ein abgeschlossenes BA Studium und Berufserfahrung als Berater in einer Werbeagentur).

Das Diplom möchte ich so gestalten, dass es mittelfristig zu beruflichem Erfolg beiträgt. Zwar bin ich jetzt schon Freiberufler und arbeite nach Aufträgen und in Zusammenarbeit mit der österreichischen Firma Tridonic, aber zunächst steht der erfolgreiche Abschluss des Diploms im Vordergrund.

Würdest du das Studium früher abbrechen, wenn das entsprechende Angebot käme?

An dieser Stelle ein Lob an den Diplomstudiengang, denn es wäre gar kein Abbruch nötig. Ich würde weiter studieren und meinen Abschluss machen oder einfach eine Studienpause einlegen.

Ich danke dir für das aufschlussreiche und interessante Interview und den Einblick in deine tägliche Arbeitskulisse und wünsche dir viel Erfolg für die Messe und das Diplom!

Interview: Jessica Bauer
Bilder: Maria Sosnina 

www.kunsthochschulekassel.de
www.timmackerodt.de